“Juvenal”, Foto: Alvaro Riveros

Ich traf den Chilenen am Kiosk, er hatte noch nichts zu Mittag gegessen. Im Restaurant erzählte er mir von seinen Fotoessays, die er mit den Strassenbewohnern von Rio machen wolle, da Alvaro aber in Bildern denkt, waren seine Ausführungen etwas ungeordnet, man muss sich seinem Wortschwall hingeben, um ihm folgen zu können. Einmal aber gelang es ihm, einen seiner Freunde in eine Nische im Innern der Nationalbibliothek zu platzieren, oder einer alten Dame von der Strasse, die ihren Kopf immer auf die Hände stützt und die Ellbogen auf die Strasse, eine alte Mauer im Fischerhafen als Stütze zu geben, und dieser traurige Blick, der mit immer derselben Traurigkeit auf Abfallberge, Passanten und das Wasser schaut. Und dann, Themawechsel, ob mir schon aufgefallen sei, dass der Carioca nur eine Art von Zuneigung kenne, die sexuelle (afeto sexual). Die herzliche Zuneigung (afeto do coração) kenne er nicht. Nicht, dass er sie nicht wolle. Er kenne sie nicht. Weshalb es unmöglich sei, einer Frau in Rio ein Kompliment zu machen, ohne dass dies gleich als Anmache interpretiert wird. Ich erinnerte mich an einige sehr unangenehme Erfahrungen, die ich in den vergangen Jahren gemacht hatte. Mein Frau sass auch mit am Tisch, sie nickte lebhaft zu Alvaros Ausführungen, da stellte er sie, die selbst eine Carioca ist, auf die Probe.